Regional ist niemals die kleine Schwester von Bio

„Bei uns gibt es keine Monokulturen. Die österreichischen Bauern arbeiten eh alle umweltschonend. Wir haben doch ÖPUL und die gute landwirtschaftliche Praxis.“ Solche Aussagen hört man in Österreich immer wieder, wenn es darum geht zu begründen, warum jemand meint es wäre nicht nötig Bio zu kaufen oder zu verwenden – regional wäre auch ökologisch genug.

Leider stimmt das nicht. Nur wer Bio verwendet, kann sich darauf verlassen, dass ein Minimum an Öko-Standards eingehalten wird und wirklich naturnah gearbeitet wird – also z.B. keine chemisch-synthetischen Spritzmittel verwendet werden und keine mineralischen Düngemittel (Kunstdünger). Viel zu oft spricht man bei Ökologie über Transportkilometer statt über die großen Schäden, die durch die Verwendung von chemisch-synthetischen Pestiziden und Kunstdünger entstehen.

Was Sie über Pestizide bzw. Pflanzenschutz wissen sollten.

Dazu lade ich Sie ein, ein kurzes, gut verständliches Video des deutschen Umweltbundesamtes anzusehen zum Thema „Umweltwirkungen von Pflanzenschutzmitteln“. Was für Deutschland gilt, gilt in diesem Fall leider auch für Österreich. Dr. Jörg Wogram erklärt in 2 Minuten die giftige Wirkung von Pflanzenschutzmitteln auf Vögel, Insekten und die gesamte Biodiversität sowie unser Trinkwasser:

Pestizideinsatz in Österreichs Landwirtschaft

Der Grüne Bericht 2018 vom Österr. Landwirtschaftsministerium weist für 2017 immerhin 1.996 Tonnen Fungizide, 1.297,1 Tonnen Herbizide, 1.211,7 Tonnen Insektizide und Akarizide und nochmals 150,2 Tonnen sonstige Wirkstoffe wie Wachstumsregler und Keimhemmungsmittel aus (Grüner Bericht 2018, Tabelle 1.2.1.6. Seite 140)

Den größten Anstieg verzeichneten 2017 dabei die Insektizide mit 26 %. Diese in Summe 4.655 Tonnen Pestizide werden also von Österreichs Landwirten angewendet – alles im Rahmen von ÖPUL und guter landwirtschaftlicher Praxis. Und genau das ist der Grund warum man nicht einfach pauschal sagen kann, regionaler Einlauf von österreichischem Obst & Gemüse, Getreide und anderen Lebensmitteln aus konventioneller Ladwirtschaft ist biologischen Produkten ökologisch gleichgestellt oder sogar besser. Die Pestizide und die damit einhergehenden ökologischen Schäden wie Artensterben, Verlust der Biodiversität und Verseuchung des Grundwassers sind die Gründe warum ich konsequent Bio kaufe und fordere. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein regionaler konventioneller Bauer diese Mittel verwendet ist leider sehr groß – immerhin haben wir 80 % konventionelle Landwirtschaft und nur 20 % Bio-Landwirtschaft. Die Empfehlung lautet daher kontinuierlich: Bio, regional und saisonal. Daran führt kein Weg vorbei. Natürlich mögen Sie vielleicht den einen oder anderen Bauern kennen, der keine Pestizide verwendet und naturnah arbeitet auch wenn er nicht bio-zertifiziert ist. Wenn Sie sich darauf verlassen können und seine Methoden kennen, ist das schön. Aber im Supermarkt weiß man das nicht. Daher ist konventionelle regionale Ware niemals gleichgestellt mit Bio.

Intensivierung hinterlässt Spuren

Auch wenn viele es immer noch nicht glauben, aber der Landwirtschaft kommt für den Schutz der Umwelt eine hohe Bedeutung und große Verantwortung zu. Schützende Fabrikmauern und abgeschlossene Räume sind nicht vorhanden. Die Landwirtschaft arbeitet in offenen Systemen. Der Einsatz von Maschinen zur Bodenbearbeitung und Ernte sowie die Ausbringung von Pflanzenschutz- oder Düngemitteln findet in der freien Landschaft statt und beeinflusst den Boden, das Wasser, die Luft und die in dieser Agrarlandschaft lebenden Tiere und Pflanzen (allgemein Biodiversität). Die auf Ertragssteigerung ausgerichtete Intensivlandwirtschaft hinterlässt nicht nur eintönige, ausgeräumte Agrarflächen. Der Einsatz von schweren Maschinen und die intensive Bodenbearbeitung kann Bodenverdichtungen, eine steigende Gefahr für Wasser- und Winderosionen und einen Verlust der Bodenfruchtbarkeit verursachen.

Radikaler Wandel der EU-Landwirtschaftsförderungen notwendig

Aus meiner Sicht braucht es daher politisch eine grundlegende Reform der landwirtschaftlichen EU-Förderungen (GAP): Die Milliarden an öffentlichen Geldern müssen durchgehend an gesellschaftliche Leistungen gebunden werden. Der einzig sinnvolle Weg wäre eine radikale Umschichtung der GAP-Mittel weg von Flächenpremien hin zur Förderung von Umweltmaßnahmen.

Die bereitstehenden EU-Mittel sollten endlich für den naturverträglichen Wandel der Landwirtschaft bereitgestellt werden.

Weiterführende Links, Quellen und Studien:

Mehr Infos zum Thema Landwirtschaft, Umweltschutz sowie Pestizide

Der stumme Frühling – Zur Notwendigkeit eines umweltverträglichen Pflanzenschutzes

Video_Kanal des dt. Umweltbundesamtes

Über das Insektensterben

Über Neonicotinoide

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