Was ist ein fairer Preis? Was ist Fairness für Bauern und Konsumenten?

CrowdFarming ist einer der spannendsten Wege in die wirtschaftliche Selbstbestimmung für Bauern und gleichzeitig fair für die Konsumenten.

2017 wurde die Lieferkettenplattform CrowdFarming gegründet. Dahinter steht die Idee zweier spanischer Brüder, ihre Orangen frisch und direkt vom Hain, ohne Zwischenhandel, in die europäischen Haushalte zu bringen. Die Internetseite ist eine reine Vermittlungsplattform zwischen selbständigen Bauern und Konsumenten. Damit werden Endverbraucher, die wissen möchten wer ihre Lebensmittel wo und wie produziert mit entsprechenden Landwirten vernetzt. Die Bauern werden direkt von den Konsumenten bezahlt und im Idealfall wird die Produktion sogar vorbestellt und im voraus bezahlt. Damit weiß der Landwirt wie viel er für wen produziert und der Konsument weiß, dass sein Geld direkt in die Landwirtschaft fließt und nicht Zwischenhandel, Handel, Verpackungszentren, Werbeausgaben und Rabattschlachten mitfinanziert. 

Haben wir nicht alle ein Recht auf ist ein faires Einkommen?

Im Prinzip ist schon ein bisschen eigenartig, dass das Einkommen in der Landwirtschaft überhaupt diskutiert werden muss und zum gesellschaftspolitischen Thema geworden ist. Leider. Aber sobald man heute über Lebensmittel spricht, ist der Preis dabei sofort ein wesentliches Thema. Und dabei meint leider immer noch eine große Mehrheit der Menschen, dass die Preise so niedrig wie möglich sein sollen. Wie diese billigen Preise überhaupt möglich sind, interessiert leider aber nur Wenige. Da geht es zum einen um den komplexen Themenkreis der wahren Produktionskosten inkl. Umweltkosten, und zum anderen um das Thema faires Einkommen für Bauern und die Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Aber was heißt eigentlich fair im Zusammenhang mit Lebensunterhalt und Lohn?
Im Prinzip meint „fair“ nichts anderes als wirtschaftliche Prinzipien. Eine Vollerwerbslandwirtschaft ist ein Unternehmen, das sowohl den Eigentümern als auch den Beschäftigten ihren Lebensunterhalt sichern soll, seine Betriebsmittel erwirtschaften soll und im Idealfall noch Gewinne zur Absicherung, für Rücklagen und zur Entwicklung erzielt.

Wenn wir das Betriebswirtschaftliche mal weglassen, heißt das vereinfacht gesagt, wenn sich ein Mensch entscheidet Landwirt oder Landarbeiter zu werden, soll er daraus genauso ein ausreichendes Einkommen erzielen, wie jeder andere berufstätige Mensch im diesem Land. Sein Beruf soll ihm und seiner Familie genauso Unterkunft, Ernährung und Bildung sichern wie z.B. der Beruf des Frisörs oder des Lehrers.

Betrachtet man aber die Einkommenssituation vieler kleinbäuerlicher Familienbetriebe in Österreich oder anderen Ländern der EU, scheint das nicht immer möglich zu sein. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und die Zusammenhänge komplex. Aber sie führen bei leidenschaftlichen Landwirten auch dazu, neue kreative Wege zu gehen. Immer mehr Bauern steigen aus den globalen, konzernähnlichen Zuliefer- und Vertriebsstrukturen aus und suchen den direkten Weg zu den Konsumenten.

CrowdFarming ermöglicht Bauern ein selbstbestimmtes Einkommen

2 spanische Brüder, Gabriel und Gonzalo Úrculo, die motiviert und jung den Orangenhain ihres Großvaters geerbt hatten, haben mit CrowdFarming 2017 genau so einen ungewöhnlichen Weg eingeschlagen. Nach Jahren, in denen sie für ihre duftenden Orangen vom Großhändler nicht einmal genug erhielten um die Betriebskosten zu decken, haben sie verstanden, dass sie nur dann selbst über ihren Betriebsumsatz, ihr Einkommen, bestimmen können, wenn sie ihre Zitrusfrüchte direkt an die Endkonsumenten verkaufen. Anfänglich haben sie ihre internationalen Kontakte aus ihren Studienzeiten genutzt, um die ersten Kisten der frisch geernteten Orangen direkt an deutsche oder britische Haushalte zu schicken. Als sie merkten, dass sich die Kunden für ihre Arbeit interessierten und es schätzten, zu wissen von wem die Früchte wo und wie produziert wurden, gingen sie einen Schritt weiter.

Sie entwickelten den Direktvertrieb zu CrowdFarming: die Crowd (Konsumenten) bestellt bestimmt Mengen an Früchte zum Pflanzzeitpunkt vor und bezahlt diese im Voraus. Der Bauer pflanzt an, zieht groß, hegt und pflegt (Farming) im Auftrag der Kunden.

Die Vorbestellung vor Saisonstart wird „Adoption“ genannt und kann über eine Internetseite bestellt und bezahlt werden. Jede Adoption bedeutet eine bestimmte Menge – z.B. adoptiert man ein Bio-Weizenfeld mit alten Sorten in Sizilien und erhält dafür 5 kg feinste handgefertigte Bio-Pasta verschiedener Sorten aus Tumminìa- und Russulidda-Mehl.

Oder man adoptiert einen halben Bio-Orangenbaum von Gabriel und Gonzalo in Spanien um € 40,- im ersten Jahr bzw. € 35,- ab dem zweiten Jahr, und erhält dafür 40 kg Orangen in der Erntesaison zwischen November und März – natürlich zuzüglich der Logistikkosten für den direkten Transport nach Hause. 

Dieses Adoptions-Prinzip funktioniert auch mit Oliven- und Walnussbäumen für den Erhalt von Öl, mit Tieren wie Ziegen oder Kühen für Käse und natürlich zahlreichen ein- und mehrjährigen Pflanzen und Bäumen – von A wie Artischoke, Apfel oder Avocado über K wie Kaffee, M wie Mangos bis Z wie Zitronen und Ziegenkäse. Je nach Vorbestellung/Adoption werden von den Bäuerinnen und Bauern Bäume neu angepflanzt, Ziegen, Schafe und Kühe gekauft oder eben Gemüse angebaut.

Die beiden Brüder Gabriel und Gonzalo haben über ihre eigene Landwirtschaft das System des CrowdFarmings perfektioniert und getestet und es mit einer eigenen Gesellschaft für Kolleginnen im In- und Ausland geöffnet.

Heute sind ca. 100 Bäuerinnen und Bauern aus Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich und anderen Ländern auf der Plattform und suchen so den direkten Kontakt zu bereits mehr als  120.000 Konsumenten in 30 Ländern.

CrowdFarming ist für viele ein fairer Vertriebsweg ihrer Produkte. Die Anbieter bestimmen ihre Verkaufspreise selbst und erhalten gegen eine geringe Teilnahmegebühr (im durchschnitt ca. 16 %) eine funktionierende Marketing- und Vertriebsplattform inklusive Know-how und Hilfestellung für den Versand.

CrowdFarming goes CrowdFunding

Gerade jetzt ist für viele landwirtschaftliche Produkte der richtige Zeitpunkt, um Adoptionen zu machen und die Ernte für dieses Jahr festzulegen. Außerdem möchten Gabriel und Gonzalo Úrculo die Plattform CrowdFarming weiterentwickeln und den Direktverkauf von Lebensmitteln ausbauen. Diese Erweiterung soll gemäß dem CrowdFarming-Prinzip auf über CrowdFunding finanziert und ermöglicht werden. An den Details wird derzeit noch gearbeitet aber eine Registrierung potentieller privater Investoren ist bereits möglich. https://www.crowdfarming.com/de/crowdfunding

Weiterführende Links und Infos:

CrowdFarming Website

CrowdFarming Infos für Bauern

CrowdFarming und finanzielle Transparenz

CrowdFunding für CrowdFarming

Die Gründer und ihre Landwirtschaft

3 Gedanken zu „Was ist ein fairer Preis? Was ist Fairness für Bauern und Konsumenten?

  1. Kleiner Tipp zur Lagerung der Zitrusfrüchte: Bei Ankunft Kiste öffnen, wenn die Früchte sehr kalt sind, dann ein Stofftuch zwischen die Lagen legen, damit Feuchtigkeit durch Temperaturschwankungen aufgesaugt wird. Am besten im Keller dunkel, kühl und trocken lagern. Beim Früchte entnehmen immer die reifsten und weichsten zuerst und die anderen kurz kontrollieren. 4 bis 6 Wochen ist di Lagerung somit kein Problem 🙂

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